Kosten Pflegefall

Die privaten Pflegekosten werden steigen

Der neue Barmer GEK Pflegereport 2013 offenbart, was bereits vielfach vermutet wurde: Aufgrund unzureichender Leistungsdynamisierung werden die Kosten, die Pflegebedürftige aus eigener Tasche zahlen müssen, in den nächsten Jahren deutlich steigen.

Kosten Pflegefall
Die Eigenkosten der Pflege werden steigen.

Dem Barmer GEK Report 2012 zufolge fallen für Frauen im Durchschnitt derzeit etwa 84.000 Euro an Kosten im Pflegefall an; bei Männern sind es hingegen 42.000 Euro. Davon werden aber jeweils nur etwa die Hälfte fremdfinanziert; den Rest müssen die Betroffenen selbst aufbringen.

Doch damit nicht genug: Heinz Rothgang, Professor für Gesundheitsökonomie an der Universität Bremen, stellt nun im neuen Barmer Pflegereport 2013 dar, dass die Eigenkosten für Pflege in den vergangenen Jahren stark angestiegen sind.

Darüber hinaus prognostiziert Rothgang eine Erhöhung auf monatliche 787 Euro Eigenanteil in Pflegestufe 3 bis zum Jahr 2015 – 2005 hatte der Kostenanteil noch bei 696 gelegen. In Pflegestufe 2 sollen die Kosten 2015 um knapp 170 Euro auf 592 Euro gestiegen sein; in Pflegestufe 1 werden die Kosten dann immerhin noch bei 392 statt 253 Euro liegen. Das sind allerdings nur die reinen Pflegekosten, die weder Verpflegung noch Unterbringung des zu Pflegenden berücksichtigen.

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Pflegeversicherung

Schlenker und Rothgang kritisieren geplanten Pflegefonds

Rothgang kritisiert den steigenden Eigenanteil, den Pflegebedürftige auf ihre Versorgung zuzahlen müssen. Er fordert deshalb eine Anpassung der Leistungen aus der Pflegeversicherung. Auch Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK, sprach sich für eine Leistungsdynamisierung aus und begrüßte gleichzeitig die geplante Anhebung des Beitragssatzes zur Pflegeversicherung um 0,5 Prozent.

Laut Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung soll der Satz spätestens zum 1. Januar 2015 um 0,3 Prozent, danach noch einmal um weitere 0,2 Prozent steigen. Ein Großteil des daraus fließenden Kapitals soll in kurzfristige Verbesserungen von Leistungen investiert werden; insgesamt 0,1 Prozentpunkte, etwa 1 Mrd. Euro pro Jahr, sind zur Bildung eines Kapitalstocks vorgesehen, mit dessen Hilfe die zukünftige Pflegebedürftigkeit geburtenstarker Jahrgänge finanziert werden soll.

Von der Idee eines Fonds sind allerdings weder Schlenker noch Rothgang überzeugt: Der Fonds sei voraussichtlich bereits dann ausgeschöpft, wenn die Zahl der Bezieher von Pflegeleistungen am größten sei, so die Argumentation Rothgangs. Beide Pflegeexperten bevorzugen das umlagefinanzierte System vor dem kapitalgedeckten.

Pflege Bahr bringt keine Entlastung

Auch von der Einführung der Pflege Bahr Verträge hält Rothgang nichts: Tendenziell schlössen gerade einkommensschwache Sparer kaum solche Pflegeverträge ab. Ohnehin vermöge das Vorsorgekonzept keine vollständige Deckung der Kosten im Pflegefall zu erbringen. Es sei nicht zu erwarten, dass überhaupt mehr als eine Million Verträge abgeschlossen werde; insofern könne Pflege-Bahr das Problem der privaten Kostenbelastung im Pflegefall kaum abmildern.

Das Konzept des Pflege Bahr war erst im Januar 2013 eingeführt worden und stellt eine staatliche geförderte Pflegeversicherung dar. Sparer werden mit fünf Euro monatlich gefördert und müssen dafür einen Mindesteigenbeitrag von zehn Euro pro Monat leisten. Die Pflegevorsorge steht jedem offen, der mindestens 18 Jahre alt ist. Eine Altersgrenze nach oben existiert nicht; die Förderung erhält allerdings nur, wer weder zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses noch in der Vergangenheit jemals Pflegeleistungen bezogen hat.

Bahr Pflegeversicherung Bahr Pflegeversicherung / Pflege Bahr

Mit Beginn des Jahres 2013 ist die Bahr Pflegeversicherung eingeführt worden, die private Pflegevorsorge für jedermann zu erschwinglichen Preisen ermöglicht. Wie hoch die Förderung ist und wie Pflege Bahr funktioniert, erfahren Sie hier. Weiterlesen