Krankenkasse Überschüsse

Was machen die Krankenkassen mit den Überschüssen?

Aufgrund der anhaltend guten Konjunktur haben die gesetzlichen Krankenkassen beträchtliche Überschüsse angehäuft. Rund 6,6 Miliarden Euro werden die Kassen 2012 voraussichtlich erwirtschaftet haben. Das Mehr soll nun den Versicherten zugute kommen: Während die Techniker Krankenkasse (TK) Prämien zurückzahlen will, setzen andere Kassen auf den Ausbau ihrer Leistungen.

Geldscheine
Krankenkassen erzielen beträchtliche Überschüsse.

Gewinne einfahren dürfen sie nicht, wohl aber Rücklagen bilden: Laut Sozialgesetzbuch können die gesetzlichen Kassen maximal das eineinhalbfache ihrer monatlichen Ausgaben zurücklegen, um durch schwere Zeiten zu kommen.

Wegen positiver Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und Lohnerhöhungen haben nun jedoch viele Krankenkassen Überschüsse in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro erzielen können, die sie an die Kunden zurückgeben könnten – so soll der Präsident des Bundesversicherungsamtes, Maximilian Gaßner, bereits im Mai 2012 drei der gesetzlichen Versicherungsunternehmen, darunter auch die Techniker Krankenkasse, aufgerufen haben, die Möglichkeit einer Prämienausschüttung an ihre Mitglieder zu überprüfen. Zur Debatte stand im Falle der TK ein Überschuss von etwa 800 Millionen Euro.

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Techniker Krankenkasse will Geld zurückbezahlen

Die TK hat mittlerweile reagiert: Für Mitte Oktober hat sie eine Sondersitzung anberaumt. Dann soll nach einer Empfehlung des Vorstandes darüber entschieden werden, ob die Überschüsse der Krankenkasse den Versicherten in Form von Prämienrückzahlungen wieder zufließen sollen. Die Techniker Krankenkasse wäre damit die erste der bundesweiten Kassen, die ihren Mitgliedern Beiträge erstattet.

Sie käme damit zugleich der Aufforderung von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) nach, der infolge der günstigen wirtschaftlichen Lage schon vor einigen Monaten eine Beitragsrückzahlung vorgeschlagen hatte. Die Höhe einer möglichen Rückzahlung durch die TK ist noch unklar; bisherige Prämienerstattungen, wie sie hauptsächlich kleinere Betriebskrankenkassen praktiziert haben, betrugen jedoch zwischen 30 und 72 Euro. Leistungseinschränkungen sollen nicht mit der Auszahlung verbunden sein.

Die meisten Krankenkassen nutzen die Überschüsse für einen Ausbau der Leistungen

In punkto Beitragsrückzahlung wird keine der zehn größten gesetzlichen Krankenkassen dem Beispiel der TK folgen – dies entspricht dem Trend, demzufolge die meisten Krankenkassen ihre Überschüsse nicht in Form einer Geldzahlung an ihre Kunden zurückgeben: Viele der Krankenkassen sträuben sich gegen eine Prämienauszahlung, weil sie darin nur eine kurzfristige Maßnahme sehen; Nachhaltigkeit werde vielmehr durch Investitionen in die Leistungen erzeugt.

Nach einer Umfrage des Magazins „Focus“ unter 81 gesetzlichen Kassen ziehen 84% der befragten Institutionen den Ausbau ihrer Leistungen der Ausschüttung von Prämien vor. Pläne zur Umsetzung entsprechender Überlegungen haben bislang allerdings nur 19 der Unternehmen.

Zusatzleistungen könnten beispielsweise das Anbieten von Sportprogrammen umfassen. Auch Sonderleistungen beim Zahnarzt und alternative Heilmethoden könnten vielleicht künftig von den Versicherten in Anspruch genommen werden.

Eine weitere Möglichkeit für die Krankenkasse, Überschüsse zugunsten der Versicherten einzusetzen, besteht darin, bisher erhobene Zusatzbeiträge abzuschaffen. Dies haben im Jahr 2012 bereits mehrere Krankenkassen veranlasst. Auch in die Umsetzung von Versorgungskonzepten investieren manche Kassen.

Keine Beitragssenkung durch Krankenkassen-Überschüsse in Sicht

Dass die Überschüsse der Krankenkassen auch eine Beitragssenkung zur Folge haben könnte, ist eher unwahrscheinlich: Laut Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft könnten die insgesamt 6,6 Milliarden, die die gesetzlichen Versicherer 2012 voraussichtlich zusätzlich erzielen werden, dazu genutzt werden, um im Folgejahr die Beitragssätze um 0,3 Prozentpunkte auf 15,2% zu senken. In den Jahren 2013 und 2014 sei erneut ein Überschuss von je etwa 4 Milliarden Euro zu erwarten.

Der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes zeigte sich bezüglich der errechneten Krankenkassen-Überschüsse jedoch zurückhaltend: Man müsse die Kürzungen des Bundeszuschusses und die steigenden Kosten im Gesundheitssystem im Auge behalten; Spekulationen über die weitere Entwicklung seien daher gewagt.

Auch FDP-Gesundheitsexperte Heinz Lanfermann hält eine Beitragssenkung nicht für die beste Lösung: Er setzt stattdessen auf die Abschaffung der Praxisgebühr, die die ihr zugedachte Steuerungsfunktion – die verstärkte Bindung des Patienten an einen Hausarzt sowie Entwicklung eines Kostenbewusstseins beim Patienten – nicht erfüllt habe und zudem hohe Verwaltungskosten verursache.

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