Wohngebäudeversicherungen im Test

Welche Wohngebäudeversicherungen sind empfehlenswert?

Finanztest (Stiftung Warentest) hat erneut Wohngebäudeversicherungen getestet und entsprechend auf den Prüfstand gestellt. Nicht mal ein Drittel der getesteten Tarife hat es in die Rubrik „empfehlenswert“ geschafft.

Die Tarife für Wohngebäudeversicherungen einem Test zu unterziehen, muss eine Mammutaufgabe gewesen sein. Kaum eine andere Versicherung gestattet den Versicherern so viele Spielräume bei der Leistungs- und Preisgestaltung der Tarife.

Getestet wurden 97 Tarife von 41 Anbietern1. Es handelt sich dabei ausschließlich um Tarife mit gleitender Neuwertversicherung. Der sogenannte gleitende Neuwert besagt, dass sich der Versicherungswert den steigenden Baukosten anpasst und somit eine Unterversicherung im Schadensfall vermieden werden kann.

In die Bewertung der Tarife wurden von Stiftung Warentest vor allem fünf Zusatzleistungen einbezogen, die eine gute Wohngebäudeversicherung ihrer Meinung nach haben müssen: Verzicht auf Kürzung der Leistung bei grober Fahrlässigkeit, Übernahme von Abbau- und Aufräumkosten, Übernahme von Mehrkosten durch neue Auflagen, Kostenübernahme für die Dekontamination und für Schäden durch Überspannung.

Nur wer in all diesen Punkten die Mindestanforderungen von Stiftung Warentest erfüllen konnte, konnte als „empfehlenswert“ eingestuft werden. Andere Tarife, die nur eingeschränkt in diesen Fällen leisten wurden als „eingeschränkt empfehlenswert“ bezeichnet. Werden diese Leistungen ganz ausgeschlossen, speziell Schäden aufgrund grober Fahrlässigkeit, bekommen die Tarif keine Empfehlung von Stiftung Warentest.

Große Preisunterschiede im Test

Von den 97 getesteten Tarifen für die Wohngebäudeversicherung konnten nur 30 alle geforderten Leistungen bieten. Ganze 58 Tarife bieten keinen Schutz bei grober Fahrlässigkeit an und gelten somit als nicht empfehlenswert. Konzentriert man sich auf die empfohlenen Tarife sieht man, dass auch hier die Preisunterschiede zum Teil immens sind. Ein Neubau an einem günstigen Standort kostet je nach Versicherer zwischen 124 und 402 Euro Jahresprämie.

Für diese Zahlen ist zu beachten, dass es sich hierbei um ein Modellhaus mit bestimmten Parametern handelt. Wohnfläche, Bauart und Ausstattung spielen eine Rolle bei der Prämienberechnung, daher ist die Preisangabe nicht auf alle Neubauten übertragbar.

Die Spanne von 278 Euro zwischen günstigstem und teuersten Tarif zeigt jedoch, dass es sich wirklich lohnt, die Angebote der Versicherer vor einem Abschluss zu vergleichen. Noch größer werden die Unterscheide, wenn man die Prämienhöhe für denselben Neubau an einem günstigen und an einem teuren Standort vergleicht. 124 Euro ist das beste Angebot in der günstigen Wohngegend, am teuren Standort beträgt der niedrigste Preis fast das Doppelte, 233 Euro.

Die höchste Prämie eines empfehlenswerten Tarifs liegt hier bei satten 557 Euro. Dazu kommen jeweils noch die Kosten für eine zusätzliche Elementarschadenversicherung, die ebenfalls stark variieren.

Gut getestet: Empfehlenswerte Wohngebäudeversicherungen

Zu den Versicherern, die laut Stiftung Warentest den Kunden den nötigen Schutz bieten können, gehören unter anderem: Die Allianz mit dem Tarif „Sicherheit Plus“ und die Alte Leipziger mit den Tarifen „Classic“ und „Comfort“. Axa, Huk, Gothaer, Medien und Bruderhilfe können sich sogar mit mehreren Tarifen platzieren. Aber auch bei den guten Tarifen sind zum Teil erhebliche Abweichungen erkennbar, was die Versicherung von Bestandsimmobilien und Neubauten angeht.

So bietet die Janitos mit dem Tarif „Best Selection“ zwar guten und bezahlbaren Versicherungsschutz für Neubauten. Hier liegt der Preis im günstigen Wohngebiet bei 215 Euro, aber die Bestandsimmobilie im selben Wohngebiet kostet den Besitzer 809 Euro Versicherungsprämie im Jahr. Im teuren Wohngebiet steigert sich der Betrag sogar auf 1443 Euro.

Hier glänzt die Janitos mit dem höchsten Preis im Test. Diese enormen Unterschiede zeigen, dass der Abschluss einer Wohngebäudeversicherung von so vielen Faktoren beeinflusst wird, dass Sie mit einer pauschalen Empfehlung nichts anfangen können.

Quellenangaben

1Quelle: Finanztest / Stiftung Warentest, Ausgabe 05/2016, S.40-53