Auszahlung private Rentenversicherung

Verfehlen private Rentenversicherungen ihren Zweck?

Die Bilanz ist erschreckend: Nur drei von 100 privaten Rentenversicherungen ergeben auch tatsächlich eine monatliche Rente, wie Axel Kleinlein, Vorsitzender des Bundes der Versicherten (BdV), schätzt. Der überwiegende Teil der Policen wird zuvor gekündigt, viele Versicherte machen von ihrem Kapitalwahlrecht Gebrauch.

Ist die private Rentenversicherung zweckmäßig?
Ist die private Rentenversicherung zweckmäßig?

Die Vertragsinhaber von privaten Rentenversicherungen sind zum größten Teil Abbrecher: 71 von 100 Verträgen werden gar nicht bis zum Ende der Laufzeit bespart, sondern bereits zuvor storniert, wie Kleinlein errechnet hat.

Hinzu kommen im Durchschnitt weitere vier Verträge, die aufgrund des Todes der versicherten Person erlöschen, ohne dass eine Rente aus der privaten Rentenversicherung gezahlt wird. Die restlichen 25 Vertragsinhaber, so der BdV-Vorsitzende, machten in 90 Prozent aller Fälle von ihrem Kapitalwahlrecht Gebrauch und ließen sich das Angesparte gar nicht als Rente, sondern als einmalige geldliche Leistung auszahlen.

Statistisch gesehen erzeugten somit nur etwa drei Prozent der Policen einer privaten Rentenversicherung eine Altersrente. Den hohen Anteil an Versicherten, die statt Rentenzahlung aus der privaten Rentenversicherung lieber die Auszahlung auf einen Schlag wählten, hatte Johannes Lörper, Vorstandsmitglied der ERGO Versicherung und Vorsitzender des Ausschusses Mathematik und Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), in einem Streitgespräch mit Kleinlein bekannt gegeben.

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Riester-Sparer haben kein volles Kapitalwahlrecht

Kleinleins Rechnung offenbart, dass die private Rentenversicherung offenbar in den meisten Fällen nicht zur regelmäßigen Versorgung des Versicherten im Alter genutzt wird. Seiner Meinung nach dient sie allein als Ansparprodukt. Die mutmaßliche schlechte Rentnerquote scheint zu bestätigen, dass das Produkt Private Rentenversicherung nicht das ist, was es zu sein verspricht – und weist damit in dieselbe Richtung wie die bisherige Kritik des BdV, die vor allem die mangelhafte Rentabilität privater Rentenversicherungen im Visier hat. Der Abschluss einer privaten Rentenversicherung lohne sich nicht, da die erwarteten Steuervorteile durch ungünstige Verzinsung wieder ausgeglichen würden.

Die geringe Zahl an Personen, die eine Rente aus ihrer privaten Rentenversicherung beziehen, ist womöglich auf die Situation bei den Riester-Sparern übertragbar. So fürchtet Kleinlein bei der staatlich geförderten Altersvorsorge eine ähnliche Entwicklung. Da auch bei Riester ein Kapitalwahlrecht möglich ist, wäre es bei dieser Sparform ebenfalls denkbar, dass sie letztlich nicht in gewünschter Weise zur Altersabsicherung zur Verfügung steht.

Bei Riester können allerdings lediglich 30 Prozent des Kapitals zu Beginn der Rentenphase entnommen werden, sofern es sich bei der ausgeschütteten Rente nicht um eine Kleinstbetragsrente handelt. ERGO-Chef Lörper glaubt im Gegensatz zu Kleinlein nicht, dass der Anteil der Kapitalwähler bei Riester dem bei der privaten Rente entsprechen wird.

GDV: Noch keine Aussagen möglich

Der GDV wehrt sich gegen den Verdacht, die privaten Rentenversicherungen könnten ihren eigentlichen Zweck verfehlen. Eine spezifische Stornoquote für Rentenversicherungen gebe es ohnehin nicht; auch verfüge die Versicherungswirtschaft noch nicht über ausreichende Zahlen, um die Verhältnisse abklären zu können. Das Geschäft mit Rentenversicherungen habe sich erst entwickelt; ein Großteil der Verträge befinde sich momentan noch in der Ansparphase.

Ob die Kunden, die derzeit eine private Rentenversicherung besparen, später eine Auszahlung in Rentenform wählen und sich somit besser für ihr Alter absichern werden, wäre zum gegenwärtigen Zeitpunkt demnach nicht vorhersehbar. Immerhin scheint die Riester Rente im Licht der von Kleinlein errechneten Zahlen geeigneter, um im Alter abgesichert zu sein, da sich hier im Normalfall nur ein Teil des Kapitals für andere Zwecke entnehmen lässt.

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