Integrierte Krankenversicherung

Neues Krankenversicherungs-Modell bedroht Existenz der PKV

Nach einer aktuellen Beurteilung der Bertelsmann-Stiftung und der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (VZBV) bedarf es einer Radikalreform des ineffizienten deutschen Gesundheitswesens. Beide Institutionen sind sich einig, dass das globale Alleinstellungsmerkmal der Dualität des Krankenversicherungssystems abgeschafft werden müsse. In Zusammenarbeit haben sie daher einen Zehn-Punkte-Plan zur Zusammenlegung der PKV und GKV in eine Integrierte Krankenversicherung veröffentlicht.

Steht die PKV vor dem Ende?
Steht die PKV vor dem Ende?

Die Zusammenführung von PKV und GKV zu einem einheitlichen Krankenversicherungszweig wird kontrovers diskutiert. Besonders die PKV-Vollversicherung, die ihre Leistungsfähigkeit im Zuge dieser Fusion bedroht sieht, wehrt sich gegen eine radikale Maßnahme dieser Art.

Der Vorstandschef der Bertelsmann Stiftung, Aart de Geus, sieht die Aufspaltung der Krankenversicherung als Problem besonders für Selbständige und Geringverdiener. Er argumentiert für eine Zusammenführung, die auch privat Versicherten, die aktuell wieder mit höheren Beiträgen belastet werden, zugute kommen könne.

Das Modell der Integrierten Krankenversicherung

Das in Kooperation der Bertelsmann-Stiftung und der VZBV entstandene neue Krankenversicherungsmodell orientiert sich an den Merkmalen der heutigen GKV. Für die Private Krankenversicherung bedeutet das eine vergleichsweise größere Veränderung.

Die wichtigsten Charakteristika des Modells im Überblick:

  1. Die Schaffung eines Umlagesystems
  2. Das Verbot der Beitragsberechnung nach individuellem Gesundheitsrisiko oder Alter
  3. Eine lohnbezogene Beitragsfinanzierung
  4. Ein allgemeiner Kontrahierungszwang für Versicherungsanbieter
  5. Ein Ausgleich der Risikostruktur zwischen den Anbietern
  6. Ein gesetzlich verankerter Bundesbeitrag zur Finanzierung des Modells:
    der allgemeine Steuerzuschuss in die KV

Die Krankenversicherung soll künftig sowohl aus Steuermitteln als auch aus Beiträgen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanziert werden. Das Ziel des Modells ist es, mehr Gerechtigkeit in der Lastenverteilung von PKV und GKV zu schaffen und der Krankenversicherung eine nachhaltige Finanzierung zu sichern.

Eine Integrierte Krankenversicherung nach Zehn-Punkte-Plan

Der vorgelegte Zehn-Punkte-Plan zur Verwirklichung einer Integrierten Krankenversicherung fordert zunächst die Entscheidung der Politik für eine Integration beider Systeme in der kommenden Legislaturperiode. Er beinhaltet sowohl Schlüsselfragen, die im Vorfeld der aufwendigen Überführung beider Systeme geklärt werden müssen, als auch Reformschritte.

Im Rahmen der vier Schlüsselfragen muss vor einer Zusammenlegung beider Systeme entschieden werden, ob auch die Pflegeversicherungssparte beider Systeme vereinheitlicht werden soll und inwiefern die bestehenden Alterungsrückstellungen dabei berücksichtigt werden können. Des Weiteren muss geklärt werden, ob es entweder eine Auftrennung oder eine Annäherung der Geschäftsfelder zwischen den einzelnen Anbietern der GKV und PKV geben wird.

Klärungsbedarf besteht auch in der Frage, wie Rückstellungen aus dem Anlagevermögen der PKV so übertragen werden können, dass sie weiterhin ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung dienen. Auf eine Wettbewerbsregelung in der zukünftigen KV muss sich ebenfalls noch geeinigt werden.

Was ändert sich in der Integrierten Krankenversicherung?

Die sechs Reformschritte sehen zunächst eine Angleichung der ärztlichen Honorare unabhängig von der Krankenversicherung des Versicherten vor. Zudem sollen in der GKV ein Beihilfefähiger Beamtentarif eingeführt und der Mindestbeitrag für freiwillig versicherte Selbständige verringert werden.

Durch die Aufhebung der Versicherungspflichtgrenze für Neuversicherte und die Einführung der Versicherungspflicht für Selbständige und Beamte müssten sich zukünftig alle in der Integrierten Krankenversicherung versichern. Die privaten Krankenversicherer sollen jedoch am integrierten Versicherungsmarkt beteiligt werden, indem ein PKV-Tarif aufgelegt wird, der einem momentanen GKV-Tarif entspricht (einkommensorientierter Beitrag, Leistungen wie in der GKV).

Zugleich wird den aktuell in der PKV Versicherten ein zeitlich befristetes Wechselrecht in die GKV eingeräumt. Aufgrund der mit den Reformen verbundenen Schwächung der PKV-Branche sind Maßnahmen zur Erleichterung von Fusionen privater Versicherer und zur Auffangung nicht mehr leistungsfähiger Assekuranzen geplant.

Die Gegner der Integrierten Krankenversicherung

Der PKV-Verband sieht sich durch die Reformbemühungen der beiden Institutionen sichtlich bedroht. Der Direktor des PKV-Verbandes, Dr. Volker Leienbach, hat den Einwand geäußert, dass das deutsche Gesundheitssystem eines der besten der Welt sei und es daher gar keiner Fusion beider Krankenversicherungssysteme bedürfe.

Seiner Ansicht nach stelle die Hinführung zur Integrierten Krankenversicherung eine unnötige Gefährdung des wertvollen deutschen Gesundheitssystems dar. Besonders die weiterhin in der PKV verbleibenden Vollversicherten wären die Leidtragenden dieses Prozesses. Es kann damit gerechnet werden, dass es dank der Integrierten Krankenversicherung kaum mehr Neuzugänge in die PKV geben werde, dafür aber einen Rückgang des Bestandes.

Der PKV-Verband warnt auch, dass es in Ländern mit einheitlichem Versicherungssystem in der Praxis erhebliche Ungleichheiten und eine Versorgung nach dem Geldbeutel gebe. Auch Ärzte hätten, laut einer Studie der Technikerkrankenkasse, aufgrund der geplanten Angleichung ihrer Honorare mit Millionenverlusten zu rechnen. Viele Arztpraxen könnten ohne Privatversicherte gar nicht bestehen und sprechen sich ebenfalls klar gegen die Integrierte Krankenversicherung aus.

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