Pflegestufe 0

Pflegestufe 0 steht für Pflegebedürftige „ohne Pflegestufe“

Sobald eine Pflegebedürftigkeit festgestellt wird, zahlt die Pflegekasse eine feste Summe zu, die sich an der Pflegestufe bemisst. Während die Pflegestufen 1, 2 und 3 für eine körperliche Pflegebedürftigkeit stehen, ist die Pflegestufe 0 Personen vorbehalten, die in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt sind.

Pflegestufe 0
Alzheimer- und Demenzpatienten oft in Pflegestufe 0

Die Pflegestufe 0 gibt es eigentlich gar nicht: Unter „Pflegestufe 0“ werden Personen subsumiert, die körperlich gesund sind, aufgrund von Verwirrtheitszuständen aber der Pflege und Anleitung im Alltag bedürfen. Zu diesem Personenkreis gehören Alzheimer- und Demenzpatienten sowie geistig Behinderte und psychisch Gestörte.

Sie können seit 2008 monatliche Betreuungsleistungen beziehen, auch wenn sie keine der offiziellen drei Pflegestufen haben. Die Leistungen sind im Grunde gering, doch immerhin sind sie mit Beginn des Jahres 2013 aufgestockt worden – bis zu 425 Euro monatlich können nun maximal bezogen werden.

Das ist zwar immer noch viel zu wenig, angesichts der steigenden Anzahl der Fälle geistiger Erkrankungen aber ein Schritt in die richtige Richtung: Momentan leiden in Deutschland allein 1,2 Millionen Menschen an einer Demenz, wobei Experten schätzen, dass sich diese Zahl durch den demographischen Wandel bis zum Jahr 2030 mehr als verdoppeln wird. Den weitaus größten Anteil der Kosten, die bei einer Demenzerkrankung anfallen, trägt die Familie des Erkrankten.

Pflegestufe 0 Voraussetzungen

Personen, die nachweislich beaufsichtigt und betreut werden müssen, aber keiner der Pflegestufen 1 bis 3 zugeordnet werden können, erhalten die Pflegestufe 0. Sie kann jedoch auch ergänzend zu einer der drei gesetzlichen Pflegestufen erteilt werden, falls die nötigen Voraussetzungen erfüllt sind. Da die Einstufung in Pflegestufe 0 nicht aufgrund körperlicher Pflegebedürftigkeit erfolgen kann, wird hier ein anderes Einstufungsverfahren angewendet: Der Pflegebedürftige wird zwar ebenfalls anhand eines Hausbesuchs des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen begutachtet; dabei wird der Betreuungsbedarf aber durch einen Fragenkatalog ermittelt.

Dieser Fragenkatalog enthält insgesamt dreizehn Fragen, die das Verhalten des Pflegebedürftigen abklopfen. Schätzt er beispielsweise Alltagssituationen falsch ein und reagiert infolgedessen aggressiv? Kann er seinen Tagesablauf selbständig planen? Zeigt er sich emotional labil oder völlig antriebslos? Werden mindestens zwei Fragen, darunter mindestens eine aus dem Bereich der ersten neun, positiv beantwortet, kann eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz diagnostiziert werden; werden bestimmte Fragen zusätzlich mit „ja“ beantwortet, liegt eine in erhöhtem Maße gestörte Alltagskompetenz vor. Damit Betroffene Leistungen erhalten können, muss die Störung jedoch für mindestens sechs Monate prognostiziert werden.

Pflegestufe 0 Leistungen

Bei erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz gewährt die Pflegekasse 100 Euro Unterstützung pro Monat; im Falle einer in erhöhtem Maße eingeschränkten Alltagskompetenz sind es 200 Euro. Diese Leistungen verstehen sich als Sachleistungen; somit werden sie dem Pflegebedürftigen nicht ausgezahlt, sondern sind für die Inanspruchnahme von Pflegediensten, einer Tagespflege, einer stundenweisen Betreuung oder einer Ersatzpflege bei Verhindertsein der Pflegeperson vorgesehen.

Wird der Betrag nicht voll ausgeschöpft, kann das Restguthaben von Jahr zu Jahr übertragen werden. Ab 2013 werden außerdem zusätzliche Leistungen gewährt, die ein Pflegegeld in Höhe von 120 Euro bei einer Betreuung durch Angehörige und 225 Euro bei Betreuung durch professionelle Pflegekräfte beinhalten. Ein paar Hundert Euro im Monat sind nicht viel Geld, wenn man bedenkt, wie teuer Pflege ist. Eine Tagespflege für Alzheimerpatienten kostet bereits zwischen 30 und 80 Euro am Tag. Insofern kann es sinnvoll sein, eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen, die einen Teil der Betreuungsleistung finanziell abdeckt. Leider leisten aber nicht alle Pflegezusatzversicherungen auch in Pflegestufe 0: Pflegetagegeld- und Pflegekostenversicherung sehen in der Regel keine Zahlungen bei Pflegestufe 0 vor; die Pflegerentenversicherung hingegen umfasst auch in diesem Fall eine Zahlung: Wird dem Versicherten eine mindestens mittelschwere Demenz nach der sogenannten Reisberg-Skala bescheinigt, erhält er die Rentenleistung, die er normalerweise auf Pflegestufe 2 bekäme.

Pflegestufe 0 beantragen

Die Beantragung der Leistungen für Pflegestufe 0 vollzieht sich analog zur Beantragung einer der regulären Pflegestufen: Dabei wird für den Pflegebedürftigen ein Antrag auf Begutachtung bei dessen Krankenkasse gestellt; darauf folgt ein Hausbesuch eines Gutachters des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse, der die Alltagskompetenz anhand eines Fragenkatalogs (siehe oben) prüft. Wenn der Gutachter kommt, sollten Pflegepersonen, z.B. Angehörige, vor Ort sein, um den Zustand des Pflegebedürftigen darzustellen.

Sinnvoll ist auch die Anwesenheit eines professionellen Pflegers oder Beraters, der die Krankheit des Betroffenen adäquat beurteilen kann. Bereits erstellte Gutachten des Hausarztes sollten beim Besuch des Medizinischen Dienstes griffbereit liegen; zudem sollte bei dementiellen Erkrankungen und psychischen Störungen das Gutachten eines Psychiaters vorliegen. Angehörigen ist anzuraten, vor dem Besuch des Medizinischen Dienstes etwa zwei Wochen lang ein Pflegetagebuch zu führen, mit dem der Pflegeaufwand und das Verhalten des Pflegebedürftigen dokumentiert werden. Anhand des Gutachtens entscheidet die Pflegeversicherung über die Bewilligung der Pflegestufe 0.

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