Pflegestufe 2

Pflegestufe 2 steht für schwere Pflegebedürftigkeit

Während etwa 60 % der Leistungsansprüche an die Pflegekasse von Angehörigen der Pflegestufe 1  gestellt werden, beläuft sich die Zahl der Menschen in Deutschland, die der Pflegestufe 2 zugeteilt sind auf circa 30 %. Gegenüber der Pflegestufe 1 fallen die Leistungen in der Pflegestufe 2 höher aus, da sie eine höhere gesundheitliche Beeinträchtigung voraussetzt.

Pflegestufe 2
Bei schwerer Pflegebedürftigkeit: Pflegestufe 2

In die Pflegestufe 2 werden schwer Pflegebedürftige eingestuft, die mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten einen Hilfebedarf bei der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung oder Mobilität) benötigen. Zusätzlich fällt mehrmals wöchentlich Unterstützungsbedarf bei der hauswirtschaftlichen Versorgung an.

Der Zeitaufwand muss im Tagesdurchschnitt mindestens drei Stunden, also 180 Minuten betragen, wobei auf die Grundpflege mindestens zwei Stunden, umgerechnet 120 Minuten, entfallen sollen. Dabei gibt es für jede einzelne Tätigkeit Orientierungswerte zur Pflegezeitbemessung, die in Begutachtungsrichtlinien festgesetzt sind.

Pflegestufe 2 Voraussetzungen

Als Voraussetzung zur Einstufung in die Pflegestufe 2 gilt wie bei allen anderen Stufen grundsätzlich, dass der Antragssteller eine Vorversicherungszeit von zwei Beitragsjahren innerhalb der letzten zehn Jahre vor Antragsstellung erfüllt und die Pflegebedürftigkeit länger als sechs Monate andauert. Zusätzlich muss durch eine Untersuchung des Medizinischen Dienstes bestätigt werden, dass der wöchentliche Hilfsbedarf, der Pflegestufe 2 entsprechend, täglich durchschnittlich 180 Minuten beträgt, wovon 120 Minuten der Grundpflege entsprechen müssen. Diese muss dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten erforderlich sein. Diese Regelungen, sowie eine Auflistung der Beeinträchtigungen, die über die Grundpflege hinaus zur Pflegebedürftigkeit zählen, finden sich im 11. Sozialgesetzbuch wieder.

Die Pflegereform des Jahres 2008 verpflichtet die Kassen zu einer schnelleren Bearbeitung der Anträge. Seither haben die Pflegekassen bei 'normalen Anträgen' höchstens fünf Wochen Zeit, um den Bescheid der Einstufung zu versenden. Als Begutachtungszeitraum durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) ist eine Woche nach Antragsstellung festgelegt worden, sofern der zu Begutachtende sich in einem Krankenhaus, einem Hospiz oder in einer stationären Reha-Einrichtung befindet und die Weiterversorgung von der Begutachtung abhängt. Bei häuslicher Pflege und erfolgter Ankündigung von Pflegezeit beim Arbeitgeber verlängert sich dieser Zeitraum auf zwei Wochen. Bei Fristversäumnis ist die Pflegekasse ab 2013 dazu verpflichtet, pro angefangener Woche 70 € an den Versicherten zu zahlen.

Pflegestufe 2 Pflegegeld und Leistungen

Pflegebedürftige sollen selbst darüber entscheiden können, von wem oder wo sie gepflegt werden möchten. Deshalb steht jedem Mitglied der Pflegestufe 2 die Möglichkeit offen, Sachleistungen oder Pflegegeld in Anspruch zu nehmen. Je nach gewählter Pflegeform und -ort variieren die gewährten Leistungen. Wie auch in Pflegestufe1 wird in Pflegestufe 2 der gesetzlich festgesetzte Pauschalbetrag bei Demenzerkrankten zusätzlich aufgestockt. Lebt der pflegebedürftige Mensch im Heim oder lässt sich zu Hause von einem professionellen Pflegedienst betreuen, zahlt die Kasse direkt an das Heim oder den Pflegedienst. Wird er zu Hause von Angehörigen versorgt, bekommt er ein Pflegegeld ausgezahlt.

Das Pflegegeld beträgt aufgrund des höheren Schweregrades gegenüber Pflegestufe 1 derzeit 440 Euro, Aufstockung im Demenz-Fall 525 Euro. Außerdem bieten die Pflegekassen Beratung und Pflegekurse für pflegende Angehörige an und tragen bei deren Erkrankung oder Urlaub bis zu vier Wochen im Jahr die Kosten für eine Ersatzkraft. Häusliche Umbaumaßnahmen werden häufig auch bezuschusst.

Bei ambulanter Pflege durch Fachkräfte, sprich Pflegesachleistungen, beläuft sichder Satz der Pflegestufe 2 aktuell auf 1.100 Euro mit einer möglichen Demenz-Aufstockung von 150 Euro. Die Leistungen dürfen aber nur Pflegedienste erbringen, die die Pflegekasse zugelassen hat, sonst wird nur Pflegegeld gezahlt.

Befindet sich der Pflegebedürftige in stationärer Behandlung, erhält er einen Pauschalbetrag von 1.279 Euro im Monat. Wichtig bei der vollstationären Pflege ist, dass nur Menschen von den entsprechenden Pflegeeinrichtungen aufgenommen werden, die durch ein Gutachten des Medizinischen Dienstes dazu berechtigt sind.

Pflegestufe 2 beantragen

Die Einstufung in die Pflegestufe 2 muss bei der Pflegekasse, die über die jeweilige Krankenversicherung zu erreichen ist, schriftlich beantragt werden. Auf Antrag erhält der Pflegebedürftige ein Formular, welches ausgefüllt und eingereicht werden muss.

Im Auftrag der Pflegekassen überprüft dann der MDK, ob die Voraussetzungen der Pflegebedürftigkeit erfüllt sind und welche Stufe der Pflegebedürftigkeit vorliegt. Die Prüfung des Antrags ist in jedem Fall kostenfrei. Lassen Sie sich im Rahmen Ihres MDK-Begutachtungstermins individuell durch den Facharzt beraten und stellen Sie mögliche Fragen zu den Richtlinien der Einstufung in Pflegestufe 2. Diese sollten Ihnen im Vorfeld im Ansatz bekannt sein. Ein Pflegetagebuch mit allen Alltagstätigkeiten, bei denen Hilfebedarf besteht, und deren genaue Zeitbemessungen können eine hilfreiche Orientierung bei der Begutachtung des Medizinischen Dienstes sein.

Wenn die Pflegebedürftigkeit anerkannt ist, beginnen die Zahlungen rückwirkend ab dem Datum der Antragsstellung. Erfolgt die Antragsstellung erst einen Monat später, erhält der Versicherungsnehmer für den abgelaufenen Zeitraum kein Geld.

Pflegestufe 2 beantragt und abgelehnt - was tun?

Wurde Ihr Antrag auf Pflegebedürftigkeit abgelehnt, so haben Sie einen Anspruch darauf, sich eine Kopie des Gutachtens zuschicken zu lassen. Anhand dieses Dokuments lässt sich dann genau nachvollziehen, inwiefern Ihr Leistungsanspruch nicht für Pflegestufe 2 ausreicht.

Jeder abgelehnte Versicherungsnehmer kann Unterstützung beim Sozialamt beantragen, welches jeden Fall prüft. Bei einem Negativbescheid oder einer zu niedrigen Einstufung können Sie zudem auch von Ihrem gesetzlichen Widerspruchsrecht Gebrauch machen. Dieser Widerspruch muss innerhalb von vier Wochen bei Ihrer Pflegekasse vorliegen. Neben dem Widerspruch an sich sollte auf Grundlage des angeforderten Gutachtens auch eine Begründung des Widerspruchs erfolgen. Zunächst prüfen die Erstgutachter den Fall anhand Ihres Widerspruchs und ihrerer eigenen Unterlagen von neuem. Kommen sie dabei zum selben Ergebnis wie bisher, wird ein neuer Begutachtungstermin mit einem Zweitgutachter anberaumt. Sollte dieser Widerspruch bei der Pflegekasse keinen Erfolg haben, so bleibt Ihnen die Möglichkeit einer Klage beim Sozialgericht.

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